PUlli-Reise zum eigenen Strickstück

Endlich habe ich mich daran gemacht, meine eigenen Pullover zu stricken. Der abgebildete Pullover erfordert geringe Kenntnisse, die gegebenenfalls über verlinkte Videos zu erlernen sind. Also, seid ihr bereit für Eure Pulli-Reise? Meine führte mich zu Bliksem, diesem luftig leichten Pullover. Ich bin gespannt, was ihr auf die Beine stelle. 

Für das Projekt benötigst Du ...

Das Nadelspiel oder CraSy Trio benötigst Du für das Stricken der Ärmel. Es ist allerdings auch möglich mit Magic Loop zu stricken, falls Du Dir nicht extra Nadeln kaufen möchtest.

Die kleinere Nadel benötigt man für das Bündchen, damit es ein wenig enger sitzt. Auch hier kannst Du als Alternative die nur mit einer Nadelstärke zu stricken und für das Bündchen eventuell weniger Maschen anschlagen.

Die erforderlichen Kenntnisse sind per Video-Link zu erlernen. Wie man Magic Loop strickt, kannst Du gerne im Netz erforschen. Letztlich ziehst Du das Seil lang aus dem Strickstück heraus. Somit ist es möglich auch Runden mit wenig Maschen mit einer normalen Rundstricknadel zu stricken. Mir ist das zu viel Gefummel und Zerren am Seil, also eine kleine Spaßbremse beim Stricken. Außerdem sind mir meine Nadeln zu schade dafür, das Seil leidet schon ein wenig. Daher habe ich davon kein Video. 

Rundstricknadeln gibt es in verschiedenen Größen. Wähle 60 cm oder 80 cm. Letzteres ist eher empfehlenswert. Falls Du eine kleine Größe strickst, dann reicht 60 cm. 

Lasst uns beginnen ...

Der Pullover ist ein einfacher Kasten-Pullover. Das heißt, an dem Rumpf werden letztlich die Ärmel angestrickt werden. Somit besteht er tatsächlich nur aus 3 Teilen, und zwar 3 Röhren. Die Naht von Ärmel und Schulter liegt unterhalb der Schulter, idealerweise ca. 10 cm, also ist es ein Pullover mit überschnittener Schulter. Dies war früher das Standard Modell schlechthin, da es einfach zu stricken ist. 

Wie ihr auf meinen Fotos erkennen könnt, ist das Rumpfteil in einem Muster gestrickt und die Ärmel in glatt rechts. Lasst Euren Ideen freien Lauf. Das einzige, das ihr bedenken müsst, ist der Halsausschnitt. Daher habe ich ein unkompliziertes Muster gewählt, denn ab dem Armausschnitt ändern wir das "Röhrenkonzept". Bis zu den Achseln wird der Pullover in der Runde gestrickt, danach werden die Vorder- und Rückseite getrennt gestrickt, und zwar hin und zurück, somit teilt sich das Vorderteil noch einmal, wenn wir den Halsausschnitt stricken (je nachdem, welchen Du Dir aussuchst). Der einzige Saum, den wir in diesem Konstrukt nähen müssen, sind die Schulternähte. Also wenn Du nun ganz viele Designideen hast, entscheide Dich, ob Du ein Muster nimmst, das man auch im Hin- und Zurück-Modus stricken kann, oder ändere es einfach ab dem Armausschnitt ab. Von da solltest Du Dir ein Muster aussuchen, in dem man Abnahmen unkompliziert vornehmen kann, um den Halsausschnitt zu formen. Dieses Modell habe ich mit einem Rundhalsauschnitt gestaltet, ohne Bündchen am Halsausschnitt und werde es im folgenden auch so mit Euch vornehmen. Natürlich steht es Euch frei, den Ausschnitt zu wählen, den ihr möchtet, doch aktuell habe ich noch keine Videos zu anderen Halsausschnitten im Angebot. Doch mit Sicherheit findet ihr viele andere Beschreibungen im Netz.

Garnauswahl und Vorbereitungen

Für diese Art Pullover eignet sich ein leichtes, gut fallendes Garn wie z. B. Alpaka oder Seidenmischungen, damit die überschnittene Schulterpartie nicht so sperrig unter der Achsel sitzt. 

Für mein Beispiel habe ich Drops Baby Alpaca Silk gewählt. 

Sobald Du die Garnauswahl getroffen hast, fertige eine großzügige Maschenprobe an, wasche und spanne sie und schaue, ob Dir dein Stück "Stoff" gefällt, oder ob er zu fest oder zu weich ist. Eine Maschenprobe ist essentiell, denn du rechnest aufgrund dieser Maße den Sitz Deines Pullovers aus. Möchtest Du ein kompliziertes Muster stricken, das zum Beispiel wenig elastisch ist, mache auch davon eine Maschenprobe. Während diese trocknet, nutze die Zeit, um Deine Maße zu nehmen. 

Die nächste Vorbereitung ist ebenfalls essentiell. Und zwar nimmst Du Maß, es wäre gut, wenn Du jemanden hättest, der Dir dabei hilft, doch mit einigen Verrenkungen bekommt man es auch alleine hin. Hier ist ein Blatt zum Ausfüllen vorbereitet, welches Du ausdrucken kannst. Die erste Seite ist Deine Vorlage, die zweite Seite ein Rechenexempel und auf der dritten Seite sind Erläuterungen zum Maßnehmen.

Download
Maßnehmen für Pulli-Reise
Vorlage und Erläuterungen zum Maßnehmen für die Pullireise
Maßnehmen.pdf
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Lass Deine Idee Form annehmen

Nun, wo Du die ganze Vorarbeit gemacht hast, lehne Dich zurück, atme durch und lass die Inspiration Deine Zellen durchdringen. Nimm Dir Stift und Papier und male ein paar Ideen auf -  das könnten Formen sein, Musterideen; vielleicht erstellst Du Dir sogar ein richtiges Ideenboard mit Wollebeispielen, Maschenproben, Bildern, Fotos, Gekritzel - alles was Deine Fantasie erblühen lässt. Nach und nach wirst Du wieder konkreter - wie kannst Du das Muster stricktechnisch umsetzen? Welche Form und welche Weite sollte der Pulli haben? Ist er tailliert oder gerade geschnitten? Welche Länge und welche Armlänge soll er haben? Wo sitzt der Armausschnitt? Bei engeren Varianten muss er definitiv tiefer sitzen, wenn Dein Pulloverumfang so berechnet ist, dass er ca. 10. unterhalb Deiner Schulter sitzt, sollte es kein Problem sein. Wie soll das Bündchen aussehen? Welchen Halsausschnitt möchtest Du und was für einen Kragen? Konkretisiere in einem Schema Deine Idee immer mehr und überprüfe noch mal die Maße. Falls Du Dich an meinem Pullover orientieren möchtest, er ist mit wenig Spiel und engen Ärmeln gestrickt, ohne Taillierung und in einfachem Rautenmuster, das aus linken und rechten Maschen besteht. Sind Reisevorbereitungen nicht immer aufregend?

Kleiner Exkurs: Halsausschnitt

Schauen wir uns kurz einen Runden Ausschnitt und einen klassischen Ausschnitt an. 

Je breiter ein Rundhalsausschnitt gearbeitet wird, desto flacher sollte er sein. Er sollte an der Vorderseite ca. 7 - 9 cm und an der Rückseite 2 cm tief sein.

Um seine Weite zu berechnen, teile Deine Rückenbreite durch 3 und addiere 3 cm.

In der ersten Abnahmereihe an der Vorderseite sollten ca. 40% der Maschen abgenommen werden. Es ergibt ein schöneres Strickbild, wenn man in jeder 2. Reihe die Abnahmen strickt. Ich habe bis zur Mitte des Pullovers gestrickt und in jeder Rückreihe abgenommen. Das dreht sich dann um, wenn Du die andere Seite strickst, dort nimmst Du in jeder Hinreihe ab. Beachte, dass Du dann Deine errechneten Abnahmen auch durch zwei teilst. Die weitere Verteilung der Abnahmen bestimmst Du selber, es ergibt dennoch Sinn sie nach und nach kleiner werden zu lassen. Z. B. Wenn du 34 Maschen abnehmen möchtest (das heißt 17 pro Seite), wäre eine Möglichkeit zuerst 5, dann 4, 3, 2, 1, 1, 1 Maschen abzunehmen. In meinem Beispiel habe ich gleichmäßig abgenommen. Auf der Nadel waren 80 Maschen, ich habe nach 40 Maschen den Mittelmarker gesetzt und in der ersten Rückreihe 12 Maschen und dann in jeder 2. Rückreihe insgesamt 6 abgenommen, d. h. 18 Maschen pro Hälfte, 36 insgesamt. Für die Rückseite reicht es nur 2 oder 3 Abnahmereihen zu stricken. 

 

Bei einem V-Ausschnitt hilft es, eine ungerade Maschenanzahl beim Start der Abnahmen zu haben, damit die Mittelmasche stillgelegt werden kann. Entscheide Dich, wie tief der Ausschnitt sein sollte, zuerst in cm, dann rechnest Du es in Reihen um. Bedenke auch hier die zusätzlichen cm für die Blende. Die Faustregel für die Weite hinten ist ein Drittel der Rückenbreite. Dort kannst Du auch bis zu 3cm mehr Weite geben, um einen offeneren ausschnitt zu bekommen. Rechne diese Weite in Maschen um. Nun teilst Du die Reihenzahl des Ausschnitts durch die halbe Maschenzahl der Weite. Diese errechnete Zahl ist wievielte Reihe, in der Du abnimmst. Die halbe Maschenzahl ist die Anzahl der Abnahmen. Z. B. ist meine Höhe des Ausschnitts 50 Reihen. Der rückwärtige Ausschnitt umfasst 26 Maschen, davon die Hälfte sind 13 Maschen. 50 : 13 = 3,8. Ich würde dann aufrunden und in jeder 4. Reihe 13 x Maschen abnehmen. Achte darauf, dass die Abnahmen nur an der Vorderseite stattfinden. bei krummen Zahlen muss man die Abnahmen dann entweder anders verteilen oder eine Lösung mit geraden Zahlen finden. Auch kannst Du mit den Abnahmen die Form verändert. Für ein gerades V nimmst Du regelmäßig wie oben beschrieben ab. Für eine etwas rundere Form nimmst du im unteren Teil zuerst in kleineren Abständen ab, z. B. jede 2. Reihe, dann in größeren Abständen, z. B. jede 4. Reihe, um bei erreichter Maschenanzahl gerade hochzustricken. Somit ergibt sich eher eine Tropfenform oder ein U mit Spitze als ein gerades V. Wichtig ist auch, einen guten Rand zu haben, z. B. in der Hinreihe immer die erste und letzte Masche rechts stricken; in der Rückreihe die jeweils erste und letzte Masche links stricken.  Zum Stilllegen der Mittelmasche ziehst Du einen Faden einmal von rechts und einmal von links durch die Masche. Das Gewicht einer Sicherheitsnadel könnte die Masche ausleiern. Die Mittelmasche kommt beim Anstricken der Blende wieder ins Spiel.

Das Stricken kann beginnen!

Jetzt liegt es tatsächlich an Dir, wie es weitergeht. 

Du hangelst Dich nun anhand Deines Arbeitszettels den Pullover hoch. Das heißt:

1. Schlage die Maschenanzahl an, die Du ausgerechnet hast. Falls Du nicht weißt, wie man Maschen anschlägt, kannst Du es Dir hier anschauen. Du strickst in der Runde, also achte darauf, dass alle Maschen korrekt ausgerichtet sind und kein Twist in der Runde ist, bevor Du sie schließt. Markiere Dir den Anfang der Runde mit einem Maschenmarkierer. Für meinen Pullover habe ich ca. 3 cm R / L Bündchen gestrickt und danach in einem Rautenmuster bis zur Armausschnittiefe. Entsprechend strickst Du nun bis zu Deiner Armausschnittiefe. 

2. Wenn Du dort ankommst, teilst Du Dein Strickstück in zwei - entsprechend Deines Arbeitszettels. Also entweder einfach durch zwei oder für die Oberweite mehr. Wenn Du einen etwas engere Variante gewählt hast, achte unbedingt darauf, dass die Armausschnittiefe tief genug gesetzt ist. Je nachdem, womit Du weiterstricken möchstest, legst Du die anderen Maschen still. Z. B. legst Du die Rückenmaschen still und strickst an der Vorderseite weiter.

3. Von nun an strickst Du hin und her, also nicht mehr in der Runde. Um einen gleichmäßigen Rand zu stricken, hebe die erste Masche immer wie zum rechts stricken ab und die letzte Masche wird immer rechts gestrickt. Egal, ob Du in einer Hin- oder Rückreihe bist. Für den Halsausschnitt musst Du ggf. das Strickstück erneut trennen. Beachte hier auch, wieviel cm noch zusätzlich "auf" deinen Ausschnitt kommen, z. B. in Form eines Bündchens. In meinem Beispiel habe ich kein Bündchen gemacht, sonder lediglich die Kante einmal umhäkelt, um einen sauberen Abschluss zu haben. Wenn Du Dir unsicher zu Halsausschnitten bist, kannst Du sie hier im Detail nachlesen.